Sehenswürdigkeiten in unseren Kirchen

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Die „Sturmstillung“

Im Kirchenschiff der evangelischen Kirche Erkenbrechtsweiler sehen wir an der Seitenwand ein Großbild gezeichnet von Paula Jordan. „Sie hat getan, was sie konnte“. Diesen Satz hat Jesus Christus zu der Frau gesagt, die ihn kurz vor seiner Kreuzigung in Bethanien mit kostbarem Öl gesalbt hatte. Dasselbe Wort hat sich die am 15. März 1896 in Straßburg geborene Graphikerin zum Leitwort für ihr künstlerisches Schaffen ausgesucht. Die Tochter eines aus Tirol stammenden Kunstmalers wuchs in Straßburg auf und wurde Volksschul-lehrerin, wo sie dann aber 1919 von den Franzosen ausgewiesen wurde. Außer ihrem Zeichentalent nimmt sie als wertvollsten Besitz die Liebe zur Musik Johann Sebastian Bachs mit. In Offenbach am Main bildet sie sich an der Kunstgewerbeschule weiter. Dann wechselt sie an die Kunstakademie in Leipzig. Unter dem Eindruck evangelischer Kirchenmusik und der Bibel Martin Luthers, wechselt die Künstlerin von der katholischen zur evangelischen Konfession. Ihr Hauptauftraggeber wird der Bärenreiter-Verlag in Kassel. 1944 musste sie mit ihrem adoptierten Sohn und ihren alten Eltern in die Oberlausitz flüchten. 1952 fand die Künstlerin in Stuttgart ihre neue Heimat. Mit dem Verlag „Junge Gemeinde“ produzierte sie Material für den Kindergottesdienst. Neben ihren Zeichnungen gestaltete die Künstlerin etliche Kirchenfenster, u.a. in Leipzig, in Berlin-Lichtenberg und in Murrhardt. Außerdem stammen von Paula Jordan viele Wandbilder wie: der sinkende Petrus, das Abendmahl, die Heimkehr des verlorenen Sohnes und die Ausgießung des Heiligen Geistes. In der evangelischen Kirche von Erkenbrechtsweiler, malte sie eine großformatige Sturmstillung. Selbst in Brasilien und in Südindien hat Paula Jordan gearbeitet. Ihr letztes größeres Werk schuf sie 1982 und 1985. Ihre letzten 13 Lebensjahre verbrachte sie im Pflegestift Bethanien, in Stuttgart/Möhringen, wo sie hochbetagt am 18. August 1986 verstarb. In der Todesanzeige steht „Graphikerin“ als Berufsbezeichnung. Nur 15 Personen umfasste die kleine Schar, die sie zu Grabe trugen. Am 17. August 2001 wurde das Grab eingeebnet, so dass nichts mehr an die Künstlerin erinnert als ihre Werke. Die Gemeinden aber, die Werke von Paula Jordan besitzen, können sich glücklich schätzen. Sie besitzen einen wertvollen Schatz, der auch heute noch direkt jeden Betrachter anspricht.

Christine Goller

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Der „Gnadenstuhl“ in der Dreifaltigkeitskirche Hochwang

Wenn wir durch die Eingangstür in das Kircheninnere der Dreifaltigkeitskirche in Hochwang treten, fällt unser Blick sofort auf das Kunstwerk von Helmuth Uhrig. Eine Schnitzerei an der Chorwand über dem Altar. Hierzu ist zu sagen, dass der Altar in der Evangelischen Kirche zwei wichtige Aufgaben hat:

Erstens ist er der Tisch des Herrn, an dem die Spende des Heiligen Mahles ausgeteilt wird und zweitens ist er ein „Grenzstein“, denn das Mahl, das ausgeteilt wird, ist nicht irgendein Mahl, sondern das Heilige Mahl „zur Vergebung der Sünden“. Damit sind gewissermaßen der Raum und die Wand, die hinter dem Altar sind, „nicht von dieser Welt“. Das heißt, dass Bilder, die dort angebracht sind, auf das Ewige Leben hinweisen. Da dem so ist, wurde an der Altarwand ein sogenannter „Gnadenstuhl“ angebracht. Im „Gnadenstuhl“ sind die drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist – dargestellt. Da die Bibel jedoch die Darstellung Gott-Vaters verbietet, gleichzeitig aber Jesus Christus von sich sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ und in Kolosser 1, Vers 15, steht: „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“, so ist in unserer Darstellung der Dreifaltigkeit Gott-Vater als Christus „Pantokrator“, das heißt als Christus der wiederkommende Herr, dargestellt. So handelt es sich in unserem Bild also um eine doppelte Darstellung des Herrn, und zwar als Christus (Sohn) der Gekreuzigte und Geschändete und als Christus (Vater) der erhöhte Herr über alle Gewalten und Reiche.

Schon sehr früh hat die Kirche verboten, den Heiligen Geist als menschliche Person darzustellen. Und sie hat recht dabei getan, denn wer nur ein wenig in das Geheimnis der Trinität eingedrungen ist, weiß, dass der Heilige Geist im Zeichen des „Pneuma“ steht, das aber heißt, dass die Flamme (Pfingsten) oder die Taube das ihm gemäße Bild ist.“

Ursula Rieger-Patzer

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Die "Lieb-Orgel" in der Hochwanger Dreifaltigkeitskirche

1959 baute Orgelbaumeister Rensch aus Lauffen die erste Orgel in der Dreifaltigkeitskirche ein. Sie bestand teilweise aus Teilen der alten Oberlenninger Walckerorgel von 1907. Im Jahr 1988 stellten Gutachter verschiedener Orgelbaufirmen und der Orgelsachverständige der Landeskirche fest, dass eine Reparatur der elektropneumatischen Orgel zwar möglich, aber angesichts der gravierenden Mängel nicht sinnvoll sei.

Angestoßen durch eine großzügige Spende der Papierfabrik Scheufelen in Oberlenningen wurden dann Opfer angesetzt, Spenden erbeten und Rücklagen für eine neue Orgel gebildet. Orgelbaumeister Friedrich Lieb aus Bietigheim-Bissingen bekam den Auftrag zum Bau.

Sie wurde am 03. März 1996 mit einem festlichen Gottedienst eingeweiht.

Das klassische Gehäuse mit fünfteiliger Gliederung ist aus massivem Eichenholz mit Rückwand aus Fichte in tragender Konstruktion aus Rahmen und Füllungen gebaut. Im Untergehäuse sind die Klaviaturen, Wellenbretter, Spiel- und Registertraktur sowie die Kanäle untergebracht. Im oberen Kranz liegt die aus massivem Eichenholz gefertigte Windlade mit ihren Pfeifenstöcken, auf welchen die Pfeifen stehen.

Die Orgel knüpft an die süddeutsche Tradition (J.A. Goll und J. Gruol) an, in der man die Orgel als Gemeindeinstrument sah und allergrößten Wert auf das Ensemle der Grundstimmen (labial) legte.

Außer in den Gottesdiensten war die Orgel in den vergangenen 20 Jahren auch in vielen Orgelkonzerten renommierter Organisten mit Orgelmusik unterschiedlichster Epochen zu hören.

Traugott Bertsch

Mehr Informationen über unsere Lieb-Orgel finden sie hier