Bruckener Kirchengeschichte

Im 400. Gedächtnisjahr der Augsburger Konfession - im Jahr 1930 - weihte die Bruckener Kirchengemeinde ihre Kirche ein. Mit dieser eigenen Kirche war auch die über 400jährige kirchen-lose Zeit für dieses evangelische Dorf zu Ende. Kirchlich versorgt wurde es seit dem 17. Jahrhundert von der Stadtpfarrei Owen, obwohl es rechtlich noch lange Oberlenninger Filial blieb.

Die ältesten Bewohner Bruckens erinnern sich noch gut an ihre Konfirmation in Owen und an den immer stärker werdenden Wunsch der Gemeinde nach einer eigenen Kirche. Der Schulsaal dienste alle zwei Wochen als Versammlungsraum für eine Gemeindegebetsstunde. Winters fanden auch die Trauergottesdienste im Schulzimmer statt.

Nach dem 1. Weltkrieg sammelte Brucken ein Kirchenbaukapital. Das Evangelische Konsistorium bewilligte 1922 einen Beitrag von 800 Mark zum Baufonds. Dieser Fonds fiel der Inflation zum Opfer. In den Folgejahren anerkannte der Oberkirchenrat durchaus die "Beschaffung eines einfachen Betsaals" und zeigte sich erfreut, das "ein geeigneter Bauplatz geschenkt worden ist".

Kräftig unterstützt von Owener Stadtpfarrer Theodor Lang und dem Kirchheimer Dekan Gmelin, brachte die Bruckener Gemeinde durch großherzige Spenden und Eigenleistungen die Bausumme von 50.000 Reichsmark zusammen. Sie wollte nicht nur einen Betsaal, sondern eine Kirche mit einem Glockenturm. Man muss sich vergegenwärtigen, dass um 1929/30 große Arbeitslosigkeit herrschte, die Inflation kaum überwunden war und Brucken zu den ärmsten Gemeinden zählte. Aber sie leistete sich für ihren Kirchbau einen Stuttgarter Architekten. Hans Seytter, Regierungsbaumeister, entwarf die Bruckener Kirche. Sie zeigt eine überzeugende Beschränkung auf das Wesentliche und "steht ganz im Zeichen werkstoffgerechten Bauens"; sie weist den Architekten als Schüler Professor Paul Schmitthenner, Stuttgart, aus. Als 32 jähriger erhielt Hans Seytter eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Baukunst in Weimar.

Orgel

Auf ihre Orgel ist die Bruckener Kirchengemeinde besonders stolz. Und das zurecht. Schließlich haben die Bruckener "ihre" Orgel zu einem Großteil selbst finanziert und mitaufgebaut.

Das Instrument aus der Orgelmanufaktur Bernard Aubertin (Courtefontaine/Frankreich) ist nach französischen Vorbildern des 17. und 18. Jahrhunderts konstruiert.

Es besitzt 10 ½ Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual besitzt eine Schleifenteilung zwischen c1 /cis1. Dadurch ist es möglich, auf einem Manual verschiedene Klangfarben gleichzeitig zu erzeugen. Hierdurch kann beispielsweise die gesamte Palette spanischer und ein Großteil der barocken französischen und deutschen Orgelliteratur auf diesem Instrument adäquat gespielt werden.
Die Orgel ist "hinterspielig", d.h. sie hat ihre Klaviaturen auf der Rückseite des Instruments, wodurch die Orgel direkt an der Emporenbrüstung stehen kann und ihren Klang direkt in den Raum abstrahlt.
Der Klang des Instruments ist - angelehnt an seine französischen Vorbilder - sehr kräftig, aber nie aufdringlich und füllt den Kirchenraum voll aus. Trotz ihrer wenigen Register hat die Aubertin-Orgel eine große Bandbreite an Klangfarben zu bieten.
Eine Besonderheit der Bruckener Orgel ist das Kontra-A auf Manual und Pedal (Taste Cis), wodurch man im Pedal auf der Taste Cis sogar einen Subbaß 32' erhält.
Die Orgel hat mechanische Schleifladen. Die Pfeifen des gravitätischen Bourdon 16' stehen links und rechts an der Wand, seitlich der Orgel.
Die Verarbeitung des Instruments ist die gleiche handwerklich kunstvolle wie vor hunderten von Jahren. Lediglich der Elektromotor zur Winderzeugung unterscheidet die Orgel von ihren Vorbildern. Dieses orgelbauliche Kunstwerk ist gleichermaßen Anziehungspunkt für Organisten, Orgelliebhaber wie Orgelprofessoren aus aller Herren Länder.

Die Orgel hat folgende Disposition (geteilte Register mit jeweils zwei Registerzügen: B=Bass; D=Diskant):

Manual
(C.1A.D-d3):
Pedal
(C.1A.D-d1):
Montre 8'
Bourdon 8' (B/D)
Traversière 8' (D)
Prestant 4'
Flûte 4' (B/D)
Nazard 2 2/3' (B/D)
Doublette 2'
Tierce 1 3/5' (B/D)
Fourniture 4fach 2'
Trompette 8' (B/D)
Bourdon 16'


Tremblant
Tire-Main (Pedalkoppel

 

 

Für nähere Informationen zur Aubertin-Orgel erhalten Sie auch eine Orgelfestschrift.

Die Orgel ist auf einer CD dokumentiert, die unter dem Titel "spectrum musicum" erschienen ist. Darauf werden Orgelwerke des europäischen Barock Werken für Saiteninstrumente des 20. Jahrhunderts gegenübergestellt. Ausführende sind Dietmar Garn (Gitarre), Heidi Ilgenfritz (Hackbrett), Roland Leistner-Mayer (Klavier) und Jens Wollenschläger (Orgel).

Jens Wollenschläger 
 

St. Martinskirche Oberlenningen

Die evangelische Martinskirche ist die älteste Kirche im Lenninger Tal und wohl eine Missionskirche, eine Filiale der Kirchheimer Martinskirche, deren fränkischer Ursprung feststehen dürfte. Ob mit der Kirchengründung der Ort entstanden ist, bleibt fraglich, da der Name Oberlenningen auf alemannische Gründer hinweist.
Kirchengründung und Vorgängerbauten liegen im Dunkeln. Der Charakter der heutigen Kirche wird wesentlich durch die romanische Säulenbasilika des 11. Jahrhunderts bestimmt: die breite Säulenstellung und die schmucklosen Polsterkapitelle fallen aus der deutsch-romanischen Baukunst heraus. Das Kirchenschiff wurde im 14. Jahrhundert mit Fresken ausgemalt, die teilweise wieder freigelegt wurden. Ende des 15. Jahrhunderts wurde ein spätgotischer Chor mit fünfgeschossigem Turm angebaut. Nach der Reformation wurden in die Seitenschiffe große Fenster eingebrochen, um für den evangelischen Predigtgottesdienst den Innenraum heller zu machen. In der Barockzeit erfolgte der Einbau der Orgel und einer einseitigen Empore, ein Rokoko-Orgelprospekt kam später hinzu. Außen an der Kirche erinnert eine Tafel an den Oberlenninger Pfarrer Julius von Jan, der am Bußtag 1938 in seiner Predigt über das Prophetenwort "O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort" die Reichspogromnacht verurteilte und dafür ins Gefängnis kam.

 

 

Download Poster St. Martinskirche (PDF-File 1,8MB)

weitere Bilder

 

 

Informationen zum Glockenjubiläum

Nachfolgend finden Sie weitere Informationen im pdf-Format zum 60-jährigen Glockenjubiläum:

 

500. Geburtstag des Chorgestühls - Bericht Erika Hillegaart

Über folgenden Link können Sie den Bericht von Frau Erika Hillegaart anlässlich des 500. Geburtstags des Chorgestühls unserer St. Martinskirche, der am 28. März 2013 im Teckboten erschienen ist, abrufen:

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Ulrichskirche Unterlenningen

Ulrichskirche

Unterlenningen liegt an der alten Römerstraße von Köngen nach Laichingen.

Nicht weit ist auch die Keltensiedlung auf der Alb bei Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler ("Heidengraben"). Diese räumliche Nähe und die im Tal fließende Lauter legen nahe, dass Unterlenningen schon früh besiedelt wurde. Bereits vor 1353 erhielt Unterlenningen eine eigene Pfarrstelle.
Im 15. und 16. Jahrhundert gab es sogar 2 Kirchen im Ort;
verbürgt ist eine ehemalige Klosteranlage, von der jedoch nur noch ein Gebäude - das sich in privatem Besitz befindende Gebäude Kirchheimerstr. 47 - erhalten ist; dieses Gebäude weist an der östlichen Giebelwand einen stilisierten Kopf auf, der offensichtlich aus dem Gebälk herausgeschnitzt wurde.
Ein weiteres Klostergebäude, das sich in der Burgstraße befand, wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgebrochen. Der erste evangelische Pfarrer kam im Jahr 1552 nach Unterlenningen. Die heutige Ulrichskirche wurde im Jahre 1767 in nur 6 Monaten erbaut; der Vorgängerbau, von dem noch der Chorraum erhalten ist, war so klein, dass die Gottesdienstteilnehmer auf der Empore dem Pfarrer auf der Kanzel die Hand geben konnten.
Die Ulrichskirche (Abb. oben links) bietet heute ca. 350 Personen Platz.
Die Unterlenninger Kirche wurde nach Ulrich von Augsburg (ca. 890 - 973) benannt, der 923 Bischof von Augsburg wurde.
955 bedrohte ein ungarisches Heer Augsburg; dem inständigen Gebet Ulrichs wird der Sieg seiner Truppen gegen das ungarische Heer auf dem Lechfeld nahe Augsburg zugeschrieben. Ulrich half den von den ungarischen Truppen zerstörten Gemeinden wieder auf, sorgte sich um Arme und Kranke und förderte das kirchliche Leben.

Jubiläumsfeier 250 Jahre Ulrichskirche Unterlenningen

Rund 15.000 Gottesdienste, so hat es Dekanin Renate Kath ausgerechnet, dazu noch Hochzeiten, Trauerfeiern und andere Gottesdienste, wurden in 250 Jahren Unterlenninger Ulrichskirche gefeiert. Das „Halbe Pfund Jahrtausend“, wie Bürgermeister Michael Schlecht es ausdrückte, begingen die Unterlenninger mit einem gebührenden Festgottesdienst und einer anschließenden Feier im Gemeindehaus. Pünktlich zum Kirchenjubiläum erhielten die Gemeindeglieder eine Festschrift, in dem Fakten und Details über den Kirchenbau, die Renovierungsmaßnahmen und über Elemente des Kirchengebäudes nachzulesen sind.

Der Festgottesdienst wurde musikalisch umrahmt von einem Projektchor und dem Musizierkreis der Musikschule. Da der Bischoff aufgrund der Termindichte um das Reformationsjubiläum bereits im vergangenen Herbst leider absagen musste, konnte für ihn die (damals noch designierte) Prälatin Gabriele Arnold zur Predigt eingeladen werden. Passend dazu war der Predigttext dem 1. Markuskapitel zu entnehmen. „Offenbar will Jesus nicht durch Wunder überzeugen, sondern was er bringt, um die Menschen zu überzeugen, das ist die Predigt. Dazu bin ich gekommen – sagt er.“ So hörte es die Gemeinde von Prälatin Arnold.

Im Gemeindehaus war für die Gäste Kaffee und Kuchen aufgetischt, das Café-Tee-Mobil des Kreisdiakonieverbands bot Cappuccino an und für Groß und Klein wurden frische Crêpes zubereitet. Nach Ansprachen von Dekanin Renate Kath und Bürgermeiser Michael Schlecht wurde das Kuchenbuffet eröffnet. Im Foyer wartete der „Merchandising-Tisch“ darauf, Fanartikel wie Kirchentassen, Postkarten, Christbaumkugeln und Festschriften an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Fanartikel sind übrigens im Pfarrbüro oder in der Kirche nach wie vor erhältlich. Der gesamte Erlös des Jubiläums kommt der dringend notwendigen Kirchenrenovierung zugute. Ein besonderes Highlight wartete noch im sonst nicht zugänglichen Teil der Kirche auf die Besucher. Die Kinderkirche hatte nach einem Dorfspiel noch den Zimmermann Karl Eber gewinnen können, der die Besonderheiten des Gebälks im Dachboden über dem Kirchenschiff anschaulich erklären konnte. Dabei bestand auch die Möglichkeit, die Kirchenglocken (Festschrift-Leser können hier das Datum des Glockengusses nennen) einmal aus nächster Nähe zu betrachten. Alles in allem kann die Ulrichskirche – wie auch immer sie zu ihrem Namen kam – auf eine würdige Jubiläumsfeier zurück blicken.

Hier finden Sie die Auflösung des Kirchenrätsels