Geschichtliches

Eine Kirche gab es in Schopfloch bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 1152. Sowohl  der Grundbesitz als auch die Einwohner gehörten damals dem Kloster Rot an der Rot. Das Patronat über die Kirche wechselte 1411 vom Kloster Rot über Konrad von Freyberg nach Württemberg.

Mit der Einführung der Reformation 1557/59 wurde Schopfloch eine eigenständige Gemeinde, zu der bis 1560 auch noch der Nachbarort Gutenberg gehörte.
Bedingt durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges musste Schopfloch 1636 bis 1666 von Oberlenningen bzw. Gutenberg aus kirchlich versorgt werden.

Die Aufzeichnungen in den Schopflocher Kirchenbüchern beginnen mit dem Jahr 1666.

In ihrere heutigen Form wurde die Kirche in zwei Bauabschnitten auf Fundaments- und Mauerresten der Vorgängerkirche errichtet. Die Inschrift an der Nordseite der Kirche besagt: "1782 ist diese Kirchen erbaut worden".

Die Erweiterung mit Anbau im Osten erfolgte erst 1807, um Platz für die Orgel zu schaffen. Hierzu wurde die Orgelempor gegenüber den anderen Emporen niedriger und die Decke höher gebaut.

Die Höhe des Kirchturms beträgt 19,50 m (mit Turmzier 22 m).

Ab 1958 erhielt die Kirche neue Bänke und der Innenanstrich wurde erneuert. Dabei tauchte die originale Farbgebung des Orgelgehäuses wieder auf. Der Anstrich wurde entfernt und gegen die ursprüngliche Farbgebung von 1809 ausgetauscht.

1966 erfolgte eine Erneuerung der Dächer, Fenster und des Außenputzes. 1970 wurden schließlich Sitzbankheizungen eingebaut.

1995/96 wurde die Johanneskirche zunächst außen, anschließend innen renoviert und erhielt nach Vorgaben des Landesdenkmalamtes ihre einladend helle Farbe nach den ursprünglichen Farbmustern.

Seit 2015 sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Gange. Die zuerst geplante Fassadenrenovierung musste nach Absacken des Fundamentes an der nord-östlichen Gebäudeecke komplett neu überdacht werden. Weitere Maßnahmen wie Bodenanalyse, statische Untersuchungen, Abstützung der betroffenen Fenster, partielle Fundamentunterfangung, Sanierung der neu entstandenen tiefen Mauerrisse außen und innen sowie die Renovierung der Orgelempore wurden erforderlich.
Bis Ende August 2017 sollen die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sein.

Kirchturmuhr

Seit 1766 besitzt Schopfloch zwei Kirchturmuhren an der Nord- und Westseite des Turmes, da der Ort in Richtung Berg (Osten) und Pfulb (Süden) damals unbesiedelt war. Der Huf- und Waffenschmied Johann Georg Allgayer fertigte die älteste Uhr. Sie trägt die Inschrift: "Lust und Lieb zu einem Ding, macht jede Müh und Arbeit ring."
Diese Uhr steht als Schaustück im Treppenhaus der Grundschule Schopfloch, nachdem sie 1963 gegen eine neue ausgetauscht wurde.

Kanzel, Wandkreuz und Glocken

Neben der Kanzel und dem Wandkreuz stammt auch die älteste der drei Glocken im Kirchturm aus der Vorgängerkirche. Diese Glocke in der Tonart "C" besitzt einen Durchmesser von 84 cm und weigt 380 kg. Die Umschrift am oberen Glockenrand ist nur schwer zu entziffern. Sie lautet

"M. lucas schuler u. hans braun, Hans Steidleder, Michel Kechelin goss mich hans braun in Ulm anno 1620"


Ursprünglich hingen im Glockenturm zwei Glocken, von denen die kleinere, 162,5 kg schwere, im Oktober 1917 abgebaut und als Metallspende abgegeben werden musste. Sie wurde kurz vor Kriegsende 1918 in der Schmelzhütte Call in der Eiffel eingeschmolzen.

1921 konnte ihre Nachfolgerin eingeweiht werden. Sie trug die Inschrift:

"Die vor mir rief, war 1840 gegossen, ist 1918 im Feuer verflossen, in Krieg und Leid.
Von Frieden mag singen mein sattes Klingen und besserer Zeit! Gott erhalt's!"


1940 musste diese ebenfalls als Metallspende abgeliefert werden, kehrte 1945 aber unversehrt nach Schopfloch zurück. Sie wurde 1962 an die Kirchengemeinde Alpirsbach verkauft. Nach Umgestaltung der Glockenverzierung hängt sie seither als Friedensglocke in der Kirche "Zum Guten Hirten" in  Reutin, versehen mit dem Christusmonogramm und der neuen Umschrift "Er ist unser Friede".

1962 kamen zwei neue Glocken zusammen mit einem neuen, stählernen Glockenstuhl und einem elektrischen Läutwerk in den Turm. Die "Kreuzglocke" in der Tonart "D" trägt die Umschrift:

"Lasset euch versöhnen mit Gott"


und die "Taufglocke" in der Tonart "E":

 

"Ein Herr + Ein Glaube + Eine Taufe"

Orgel

Im Jahr 1809 hatte die Kirchengemeinde Schopfloch unter Pfarrer Ernst Friedrich Mohl bei dem Orgelbauer Johann Victor Gruol aus Bissingen/Teck eine Orgel angefordert. 900 Gulden sollte diese kosten (1 Gulden = ca. 1,80 DM, 900 Gulden entsprechen somit ca. 828 €). Ein Jahr später wurde die Orgel eingebaut. Manche behaupten, Gruol hätte die Schopflocher Orgel ursprünglich für die Wiesensteiger Kirche gebaut, da sie für den Standort in Schopfloch eigentlich zu groß war. Aber die Kirche sollte zu der Zeit sowieso renoviert und vergrößert werden. Und so machte man 1807 die Orgelempore der Kirche einfach passend zur bestellten Orgel. Aus den geplanten 900 Gulden für die Orgel wurden schließlich 2.729 Gulden (ca. 2.510 €) - nämlich 1.079 Gulden für die Orgel und weitere 1.650 Gulden für den Kirchenumbau.

Was die historische Substanz und das Knowhow betrifft, zählt diese Orgel aus Gruols Anfangswerken laut Orgelbauer William Jurgenson (Lauffen a. N.), der 2005 mit ihrer Restaurierung beauftragt war, zu seinen bedeutendsten und ist wohl eine der schönsten, ältesten und wertvollsten Orgeln im Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck.

Im Innern der Orgel befindet sich unmittelbar hinter den Prospektpfeifen ein handgeschriebener Werkstattzettel mit der Aufschrift:

 

"Johann Viktor Gruol, Orgelbauer in Bissingen,
30ten Mey, 1809 wurde die Windlad verleimt. Gott zur Ehr."

 

Ebenso wie eine der Glocken mussten im 1. Weltkrieg 1917 auch die Prospektpfeifen der Orgel ausgebaut und abgeliefert werden. Im September 1919 begann die Kirchengemeinde damit, Spenden für neue Orgelpfeifen zu sammeln, die am 21. Februar 1920 von der Fa. Schöber aus Kirchheim unter Teck eingebaut werden konnten.

Ab 1940 brauchte der Organist schließlich keinen Balgtreter mehr, weil ein elektrisches Gebläse in das Innere der Orgel eingebaut wurde. Das war zwar relativ laut im Kirchenraum zu hören, wurde aber ebenso wie der dafür nötige Registerumbau an der Orgel billigend in Kauf genommen.

1949 erfolge die Aufnahme der Orgel ins Denkmalverzeichnis. Geschützt sind seitdem ihr Klang und ihr Orgelgehäuse.

Bei der Innenrenovierung der Kirche im Jahr 1958 wurde das Orgelgehäuse wieder in seinem ursprünglichen Farbton von 1809 gestrichen und die Orgel erhielt bis zum Juni 1960 neue Prospektpfeifen.

Ab 2004 erfolgte eine umfangreiche Restauration der Orgel. Orgelbauer William Jurgenson aus Lauffen am Neckar wurde beauftragt, die Orgelpfeifen zu renovieren und zu stimmen, die Mechanik zu warten, das Orgelgehäuse zu reinigen und den Spieltisch zu überarbeiten. Die wichtigste Änderung war hierbei die Verlegung des Blasbalges zurück an seinen ursprünglichen Platz im Balghäusle über der Orgel auf den Dachboden der Kirche. Ein vollständiger Rückbau der Orgel in ihren Originalzustand erfolgte aus Kostengründen allerdings nicht.

Eine Besonderheit an dieser Orgel bildet der Zimbelstern, der vor allem in der Weihnachtszeit und an Heiligabend zum Lied "O du fröhliche" erklingt. Hierbei handelt es sich um 3 Glasglocken, die im Orgelinnern durch ein Windrad angetrieben werden. Der sichtbare Stern am Orgelprospekt dreht sich dabei ebenfalls.

 

Altarkreuz

Aus dem Jahr 1969 stammt das bronzene Altarkreuz des international bekannten  Bildhauers Ulrich Henn (1925 - 2014).
Angefertigt wurde es nach dem Vorbild seines Altarkreuzes für die Tübinger Stiftskirche und zeigt wichtige Szenen aus den Evangelien des Neuen Testamens.

 

Kronleuchter

1912 stiftete Adam Hänle der Kirche einen Kronleuchter, vermutlich produziert von der Fa. WMF ("Württembergische Metallwarenfabrik") aus Geislingen. Bis zur Elektrifizierung der Kirche 1927 wurden auf ihn Kerzen aufgesteckt.

2015 musste dieser Kronleuchter nach einer Elektrischen Prüfung aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden, bevor er Ende 2016 mit modernen LED-Stabkerzen neu bestückt wurde. Zwar leuchtet er nun nicht mehr so hell wie vor der Stilllegung, vermittelt nun aber einen stimmungsvollen Eindruck seines Erscheinungsbildes vor der Elektrifizierung.

Gedenktafeln

Drei Tafeln führen insgesamt 63 Tote namentlich auf, die ihr Leben im 2. Weltkrieg oder an seinen Folgen verloren.

Dies entspricht ungefähr 10 % der damaligen Einwohnerzahl.

Pfarrer in Schopfloch

Johann Köllin (1420), Paulus Egelsberg (1483), Pauls Kagel (1485), Heinrich Murer (1497), Vitus Wittich (1503), Johannes Heim (1553-1554), Peter Schaber (1554-1556), Simon Vietor (1557-1563), Ernst Kieser (1563-1577), Lazarus Bärtsch (1577-1582), Andreas Cellarius (1582-1608), Vinzent Gölz (1608-1618), Lukas Schuler (1618-1626), Lorenz Schmidlin (1626-1627), Bernhard Schmidlin (1627-1633), Andreas Reyst (1633-1635), Johann Jakob Spindler (1635), David Wiest (1636), Filial von Oberlenningen (1636-1637), Filial von Gutenberg (1637-1666), Johann Adam Demerath (1666-1670), Johann Jakob Autenrieth (1670-1676), Johannes Külbel (1676-1690), Johann David Blarer (1690-1700), Johann Georg Breunlin (1701-1705), Samuel Christoph Lieb (1705-1731), Abraham Heubacher (1731-1740), Georg Christoph Süßkind (1740-1744), Wolfgang Burkhard Wölfing (1744-1748), Friedrich David Geyer (1748-1758), Wilhelm Ludwig Laiblin (1767-1783), Johann Christian Hintrager (1783-1794), Gottlieb Heinrich Schmid (1794-1803), Ernst Friedrich Mohl (1803-1812), Gottfried Friedrich Rösler (1812-1815), Karl Friedrich Planck (1815-1823), Christian Gottlieb Huschwadel (1823-1833), Heinrich Kommerell (1833-1859), Karl Friedrich Hochstetter (1859-1867), Wilhelm Karl Hermann Rau (1868-1877), Christian Gottlieb Zerweck (1877-1885), Julius Walz (1885-1890), Alexander Friedrich Weitbrecht (1892-1898), Paul Rieger (1898-1906), Dr. Hermann Weinheimer (1907-1914), Karl Henninger (1916-1929), Eduard Mildenberger (1930-1947), Rudolf Gradmann (1948-1955), Heinz Walter (1955-1964), Fritz Moser (1965-1974), Dietrich Winter (1975-1987), Fritz Braun (1987-2008), Frida Rothe (seit 2009)

Schopflocher Holzofenbrot - Brot für die Welt

1971 wurde diese Aktion von der Frau des damaligen Pfarrers, Doris Moser, ins Leben gerufen und konnte seitdem jährlich ohne Unterbrechung durchgeführt werden.
Doris Mosers Ziel war es, 120 Laib Brot nach dem Erntedankgottesdienst am 2. Oktober 1971 zum Preis von je 5,- DM an Ausflügler zu verkaufen. Der Erlös sollte komplett der Aktion "Brot für die Welt" zugute kommen. Diese erste Backaktion erbrachte letztlich einen Gewinn in Höhe von 1.100 DM durch den Verkauf von insgesamt 160 Laib Brot und ermunterte zum Weitermachen.

In den darauf folgenden Jahren stieg die Zahl der gebackenen Brote an, bis schließlich 1993 die Marke von 1.000 Stück überschritten wurde. Diese Zahl konnte bis heute im Durchschnitt gehalten werden. 

Ab dem 2. Jahr suchten sich die Backfrauen jeweils ein spezielles Projekt von Brot für die Welt aus, für das der Gewinn gespendet werden sollte. Zusätzlich wurden mit einem Teil des Erlöses zwei Patenkinder der Kindernothilfe Duisburg unterstützt. Zur 25. Aktion im Jahr 1995 verblieb erstmals ein Teil der Einnahmen in der eigenen Gemeinde, damals zugunsten der dringend notwendig gewordenen Kirchenrenovierung.

Bis heute ist es der Kirchengemeinde ein großes Anliegen, den größeren Teil der Einnahmen an Bedürftige zu spenden, auch wenn in der eigenen Gemeinde finanzieller Bedarf für verschiedene Projekte besteht. So hat sich bis heute folgende Aufteilung bewährt: Nach Abzug des Festbetrages für zwei Patenkinder wird der Rest halbiert: eine Hälfte zugunsten Brot für die Welt, die andere Hälfte verbleibt in der eigenen Gemeinde (z. B. Renovierung der Backöfen im Schopflocher Backhaus, Außen-/Innenrenovierung der Johanneskirche, Orgelsanierung).

2015 konnte mit nahezu 50 Personen die 45. Aktion "Schopflocher Holzofenbrot - Brot für die Welt" durchgeführt werden.

Die Schopflocher Brotaktion findet jedes Jahr in der Woche vor Erntedank statt (jeweils 4 Tage von Donnerstag bis Erntedank-Sonntag).