Für die Zeit zuhause schreiben wir kleine geistliche Impulse. Dazu nutzen wir den ökumenischen Bibelleseplan. Die Texte zum Kirchenjahr kommentieren wir als Team von Ehren- und Hauptamtlichen aus Landeskirche und Gemeinschaft. Sie sind hier zu lesen und können auch gedruckt bestellt werden. Dazu bitte beim Pfarramt Unterlenningen anrufen oder eine Mail dorthin schreiben.

Impulse vom 6.-11. Juli 20

06. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 14, 1-20

Die Erzählung kehrt zurück zu Jerobeam. Ich meine fast, ihm sei die Geschichte mit dem Mann Gottes aus Juda und dem alten Propheten nicht entgangen. Er selbst war ja in sie verwickelt und hatte bisher bewiesen, das Ohr am eigenen Volk zu haben. Ich meine auch, dass diese vergangene Geschichte mit dem einstürzenden Altar, der gelähmten Hand, der Heilung und alldem sehr viel mit ihm zu tun hat. Das wird deutlich, wenn wir fragen: Was hat er gesehen, gehört und erlebt? Nach diesen Erzählungen erlebt er einen Gott, der Boten sendet, der Zeichen bewirkt, der lähmt und heilt, und der seine eigenen Boten mit einer Strenge bedenkt, die irritiert. Jerobeam selbst nahm nichts davon zum Anlass, über sein Handeln nachzudenken, oder sich an Gott zu wenden. Vielmehr fuhr er fort wie gewohnt. Er scherte sich nicht um den Gott, von dem er das Königtum empfangen hatte. Und schon gar nicht scherte er sich um den Auftrag, der den König in Israel auszeichnete: Allen zum Gottesdienst zu verhelfen. Um so dreister erscheint nun sein Vorgehen: Als sein Sohn erkrankt, da fällt ihm Gott wieder ein. Er hat durchaus ein schlechtes Gewissen, er schickt ja seine Frau. Und auch das ist ihm noch unangenehm, so dass er sie anweist sich zu verkleiden. Ich lese das so, dass sein Stolz und seine Selbstherrlichkeit seine Angst um sein Kind überwiegen. Er selbst will keine Kritik hören und hat auch keine Lust, sich zu ändern. Deshalb versucht er den Propheten und damit auch Gott zu täuschen.

Das gelingt nicht. Und die direkte Antwort erhält sie, so sagt es der Prophet Achija selbst, von einem „harten Boten“. Nochmal zählt er auf, was Jerobeam getan hat. Er weist auch nochmal auf David hin, dessen Fehltritte bekannt waren. Aber David war darin Vorbild, dass er dann Gott wieder suchte. Über Jerobeam allerdings spricht der Prophet hier ein Gerichtswort. Jerobaem scheint zu akzeptieren.

Andere Geschichten lehren uns, dass Gott sich selbst darin hat erbarmen lassen wie etwa bei Mose (4. Mose 14). Oder in den Klageliedern hören wir: Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Darum singe ich so gern im Gottesdienst: „All Morgen ist ganz frisch und neu / des Herren Gnad und große Treu“.

Christoph Schubert

 

07. Juli 20 | Impuls 1 Könige 16,29-17,6

Was anhaltende Trockenheit für ein Land bedeutet, haben wir in den letzten Jahren in Namibia hautnah miterlebt. Als wir vor über fünf Jahren dort ankamen, war bereits extreme Trockenheit und auch in den folgenden Jahren hat es kaum oder nur schlecht geregnet. In einem Land, das hauptsächlich von der Natur lebt, sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft nach vielen Jahren Dürre dramatisch. Immer mehr Menschen stehen arbeitslos auf der Straße, kämpfen ums tägliche Überleben, jetzt umso mehr, weil der Tourismus durch Corona zusätzlich zum Stillstand kam. Die Abhängigkeit von einem „Versorger“ wird in solche Zeiten ganz neu bewusst. Auch die Dürre zur Zeit Elias dauert drei Jahre an. Was dem Volk fehlt, erlebt Elia in dieser Zeit hautnah: Gott versorgt ihn. Denn Gott steht zu seinem Wort. Das macht eine andere Geschichte in diesem Abschnitt deutlich: Wer Jericho wieder aufbaut, wird von Gottes Strafe getroffen werden (Jos 6,26). Was aber steht für uns in Gottes Wort: Zum Beispiel: „…aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.“ (Ps 34,11b). Darauf will ich mich verlassen in den Dürrezeiten meines Lebens.

Jürgen Braun

 

08. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 17,7-16

„Bis hierher hat mit Gott gebracht durch seine große Güte“, so schreibt es Ämilie Juliane Gräfin von Schwarzburg-Rudolstadt in ihrem Lied. Elia saß am Bach Krit, wurde von Raben versorgt und hätte sicher in dieses Lied mit eingestimmt. Doch dann trocknete der Bach aus, kein Wasser. Hatte Gott ihn einfach vergessen? Nein, auf Gott ist Verlass! „Da kam das Wort des Herrn zu ihm.“ Aber dieses Wort forderte Elia heraus. Er sollte nach Zarpath gehen. Ein weiter Weg für den meistgesuchten Menschen des Landes. Elia hörte klare Worte, die seine Versorgung sicherstellten. V.9. Er wird eine Witwe treffen, die ihn versorgen wird. Dabei waren Witwen doch damals selbst auf Versorgung ange-wiesen! Wie sollte das gehen? Elia vertraute und zog los. Alles trat so ein, wie Gott es vorhergesagt hatte. Elia und die Witwe erlebten, dass man sich auf Gott verlassen kann. V.16. „Hilf fernerhin, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden, hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden, damit ich sag bis in den Tod: durch Christi Blut hilft mir mein Gott, Er hilft, wie Er geholfen.“

Thomas Seitz

 

09. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 17,17-24

Jetzt hatte sich diese Wohngemeinschaft so gut eingerichtet und dann das: der Sohn der Witwe stirbt. Ihre Situation ist doch sowieso schon schwierig. Eine Witwe hatte nicht die Möglichkeit, sich finanziell zu versorgen. Sie hing von ihren Söhnen ab oder von der Gemeinschaft. Verzweifelt klagt sie Elia und seinen Gott an. Ihre Worte zeigen, dass sie Gott (immer noch) als streng, böse und strafend erlebt. Obwohl sie – seit Elia bei ihr wohnt – Tag für Tag erlebt, wie Gott durch das nicht versiegende Mehl und Öl für sie sorgt. Aber das scheint keine Folgen für das Bild zu haben, das sie von Gott hat.

Ich überlege (etwas provokativ): bin ich bereit, Gutes und Schweres aus Gottes Hand zu nehmen? Oder klopfe ich mir fürs Gute auf die Schultern und klage Gott fürs Schwere an?

Gott ist nicht beleidigt. Im Gegenteil: Er hört Elias flehendes Gebet. Das Wunder geschieht: Gott ruft den Sohn ins Leben zurück und die Frau lernt Gott noch etwas besser kennen.

Ich nehme mir wieder vor, Gott DANKE zu sagen – auch für die kleinen Zeichen, die zeigen, wie gut Gott ist.

Carolin Kirchner

 

10. Juli 20 | Impuls zu 1.Könige 18,1-24

Die Lage im Volk spitzt sich zu. Seit Jahren schon leidet das Volk an den Folgen der Hungersnot, nach den Worten der Bibel eine unmittelbare Folge des Unrechts des Königs Ahab.

Ausgedörrte Böden und ausgemergelten Gesichter kennen wir heute auch aus den Berichten über Syrien oder die Demokratische Republik Kongo. Doch sind die politisch Verantwortlichen bereit, ihr Verhalten zu korrigieren?

In unserem heutigen Text begegnen zwei Männer dem Propheten Elia. Der eine, Obadja, sieht Elia, erkennt ihn – und begegnet ihm mit Demut, weil er weiß, dass Elia im Namen des lebendigen Gottes kommt und spricht.

Der andere, Ahab, sieht Elia, erkennt ihn – und geht sofort in den Angriff über: „Du bist doch der, der das Haus Israel ins Unglück stürzt…“

Obadja lässt erkennen, dass er noch immer mit der Leben spendenden Kraft Gottes rechnet. Und dass er damit rechnet, dass trotz aller Drangsal, die das Volk bereits erlebt hat, sich vieles wird zum Guten wenden können. So sehr vertraut er der Barmherzigkeit Gottes, dass er sogar bereit ist, sich selbst in Gefahr zu bringen, um seinem König Ahab von der Ankunft des Propheten Elia zu berichten.

Ahab aber lässt erkennen, dass er selbst im dritten Jahr der Dürre kaum etwas verstanden, geschweige denn gelernt hätte. Doch Elia wiedersteht dem Hochmut des Königs. Und obgleich wir nichts davon lesen, dass Ahab ins Nachdenken käme, zeichnet sich in dem weiteren Bericht ein Wandel ab. Denn der, der eben noch dem Gesandten Gottes widersprechen wollte, schweigt hinfort. Und handelt genauso, wie Elia es ihm aufgetragen hat.

Und dann ist das Volk am Zug. Kaum wahrnehmbar beginnt die Veränderung Raum zu greifen. Ob die Katastrophe nach so langer Zeit desaströser und gottesferne Politik nun wohl an ihr Ende kommt? Wir werden sehen...

Dirk Schmidt

 

11. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 18,25-46

Bei vielen Entscheidungen in unserem Leben müssen wir fragen: Was hat für mich Priorität? Wenn geklärt ist, was an allererster Stelle steht, dann muss sich anderes dem unterordnen. Manche Familie, die während der Corona-Beschränkungen Feste geplant hat, musste z.B. fragen: Ist es uns wichtiger, dass wir jetzt feiern oder ist es uns wichtiger mit vielen Gästen zu feiern und verschieben wir deshalb noch einmal? So müssen wir abwägen und mit Kosequenzen leben.

Wussten Sie, dass es das Wort Priorität nicht im Plural gibt? Auch wenn man heute immer mal wieder die Mehrzahl „Prioritäten“ hört, es gibt sie nicht – es steht immer eins an oberster Stelle und gibt den Ton an.

Elia zeigt auf beeindruckende Weise in einem Wettkampf, dass Gott den ersten Platz, also absolute Priorität für sich beansprucht.
Was das für Konsequenzen hat, hat Elia schon vorher gesagt (V21): Wenn entschieden ist, welcher Gott an oberster Stelle steht, dann ändert das alles für euer Leben. Ist der HERR Gott, dann richtet euer Leben nach ihm aus. Ist Baal der wahre Gott, dann richtet euer Leben nach ihm aus. Aber hinkt nicht auf beiden Seiten und seid so unentschieden in euren Tun und Lassen.

Ich frage mich ehrlich: Wer oder was fordert immer wieder meine Aufmerksamkeit und will auf den ersten Platz in meinem Leben? Ich will üben, jeden Morgen wieder neu zu entscheiden, dass Gott das Vorzeichen vor meinen Tag und vor mein Leben setzen darf.

Corinna Schubert

Impulse vom 29. Juni - 4. Juli 20

29. Juni 20 | Impuls zu 1.Könige 11,1-13

Es waren andere Zeiten damals, als Salomo der König der Israeliten war. So lesen wir von der Größe des königlichen Harems, und auch davon, wie selbstverständlich andere Völker integriert wurden. Und davon wird uns berichtet, dass dieses Verhalten alleine nicht der Grund dafür war, dass Gott auf Abstand zu Salomo ging. Sondern wirklich bedeutend war, dass der einstmals angesehene König seinen Bund mit dem lebendigen Gott seines Volkes vergessen hatte. Deshalb wird Gott zornig und entreißt ihm das Königtum.

Doch halt: nicht Salomo selber wird die Rechnung präsentiert. Vielmehr ist es die nachfolgende Generation, die die Zeche zahlen muss!

Spätestens seit der Aufarbeitung des zweiten Weltkriegs wissen wir, dass es tatsächlich oft die Kinder der Kriegstreiber sind, die besonders an der Schuld der Eltern und Großeltern leiden. Und auch das wissen wir, dass erlebte Traumata in manchen Familien über mehrere Generationen vererbt werden. Wie vom Leben abgeschnitten ergeht es dem Menschen wie dem Volk, wenn man sich aus Eigensinn von den guten Ordnungen Gottes abwendet und sich die Väter und Mütter in einem überbordenden Maß in Schuld verstricken.

Denn wenn Gott sich von uns Menschen abgekehrt sind wir Menschen wie vom Leben abgeschnitten.

Doch eine Hoffnung bleibt: der eine Stamm aus Davids Haus. Dieser eine Spross, der Gott die Treue hält. Und für uns als Christen: der eine Sohn aus dem Hause David, den wir als den Sohn Gottes und unseren Christus glauben. Er tilgt die Schuld und führt uns Menschen in die Freiheit vor Gott zurück.

Dirk Schmidt

 

30. Juni 20 | Impuls 1. Kön 11, 26-43

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“ So steht es in den sog. Sprüchen Salomos im 16. Kapitel. Und hier im Königsbuch zeigt es sich ganz deutlich, dass Gott die Geschichte seines Volkes lenkt. Durch den Propheten lässt er ankündigen, was dann wenig später geschehen wird. Das Königtum, das alle zwölf Stämme Israels als ein Volk geeint hatte, es wird zu Ende gehen und als geteiltes Reich weiterbestehen. Von Gott so gestaltet, weil Salomo sündigte und andere Götter neben dem Gott Israels hatte. Das Königtum Davids geht damit zu Ende. Zunächst. Denn, so heißt es in Vers 39: „Doch nicht für alle Zeit“. Gott hat schon längst einen Plan, wie er die Geschichte seines Volkes gestalten wird bis hin zu dem einen König, der alle einen wird und zum erneuerten Volk Gottes machen: Jesus Christus. Ja, wer aufmerksam liest, der kann sogar eine staunenswerte Parallele und einen Hinweis auf Jesus entdecken. Trachtete nicht auch ein König nach dem Leben des kleinen Jesus? Und floh nicht auch Jesus mit seinen Eltern nach Ägypten  (nachzulesen in Mt 2, 13-15) und blieb dort bis nach dem Tod des amtierenden Königs? Auffällig diese Parallele, finde ich. Sie bringt mich zum Staunen: Ja, Gott lenkt die Geschichte hin auf seinen Sohn Jesus Christus. Und das auch heute noch. Amen.

Jürgen Braun

 

01. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 12, 1-19

Ein fähiger Vogt: Jerobeam. Und ein 41-jähriger Prinz: Rehabeam. Beide treten aus dem Schatten des großen Königs Salomo heraus. Und beide blicken auf ein israelitisches Königreich, das sich zu politischer und kultureller Größe erhoben hatte, dabei aber Risse im Fundament aufwieß: Salomo hatte gegen Ende seines Lebens nicht mehr auf Gott gehört. Rehabeam, ist noch ganz und gar geblendet von all dem „Glanz“, den sein Vater hinterließ. Und er träumt davon, noch mehr zu glänzen. Dafür konzentriert er sich auf seine Einnahmen. Weder fragt er, noch erinnert er sich an den Gott Israels. Entsprechend verwirft er den Rat der gestandenen Persönlichkeiten und hört auf die, die ihm sagen, was er hören will.

Was das mit uns zu tun hat? Ganz ehrlich, wir leben besser als fast alle Könige aller Zeiten: Medizin, Komfort, Nahrung, Lebenserwartung… Ganz ehrlich: Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde: Straßen, Versicherungen, Nahverkehr, Kindergeld, Sicherheit… Und wie sieht es mit unserem Fundament aus?

Christoph Schubert

 

02. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 12, 20-32

Jetzt kommt der fähige Vogt ins Spiel: Jerobeam. Zumindest ist er politisch fähig und nicht derart abgehoben wie Reha­beam. Er hat verstanden, was die Menschen wollen, und es ihnen gegeben. Aber auch für ihn gilt: Weder fragte er nach Gott, noch erinnerte er sich an ihn. Das ist bemerkenswert: Von Gott hatte er ja die Königswürde empfangen, verbunden mit denselben Verheißungen wie Salomo: „Wenn du meine Gebote hältst, dann werde ich dein Haus befestigen…“ So hatte Gott es ihm zugesagt. Aber Jerobeam bleibt politisch und fragt nicht nach Gott. Er starrt auf seinen Konkurrenten Rehabeam und bekommt Angst: „Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen.“ Er reagiert darauf, indem er eine eigene „Religionsgemeinschaft“ aufbaut. „Soll mir bloß keiner meiner Untertanen unter den Einfluss aus Juda kommen.“ In seinem Innersten ist er um sich und „sein Reich“ besorgt. Das ist die Sorge derer, die meinen, sie müssten sich alles selbst erarbeiten und erhalten. Paulus hat uns vor solchem Denken nachdrücklich gewarnt. Den Galatern schrieb er: „Ihr seid aus der Gnade gefallen.“ (Gal 5,4)

Christoph Schubert

 

03. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 12,33 – 13,10

Was für eine Szene! Jerobeam betet an, was er selbst gemacht hat, hat sich auf seine „Kultstätte“ gestellt und räuchert. Da kommt ein Prophet, der nicht zum König direkt, sondern zu diesem Machwerk redet. Dem König gefällt’s natürlich nicht und er will den lästigen Sprecher loswerden. Eine gewohnt herrische Geste soll die Erledigung bewerkstelligen. Und da wird sein Arm von einer Lähmung befallen. Das war sicher ein sehr spannender Moment. Wenige Atemzüge später, geschieht, wie der Prophet sagte, das Nächste: Der selbstgebastelte Altar fällt zusammen (und der König wohl mit von diesem Ding herunter). Eine erschreckende wie peinliche wie lustige Szene (zumindest, wer sich’s im Nachhinein erzählt).

Und in dem Moment „überfällt“ den König tatsächlich so etwas wie Demut. In seiner Lähmung ist er völlig bloßgestellt, als sei seine Befehlsgewalt „eingefroren“. Er fragt nach Hilfe. Und bekommt sie. Was diese Geschichte sehr laut nicht erzählt, ist das dieses Wunder keinerlei Reflexion beim König ausgelöst hat. Weiter wie gehabt?!

Christoph Schubert

 

04. Juli 20 | Impuls zu 1. Könige 13, 11-24

Von Zeit zu Zeit gehe ich mit mehr Fragen als Antworten, mehr Geheimnissen als Einsichten und auch mit gehöriger Unruhe von einem Bibeltext fort. Hier ist das auch der Fall. Also schulen wir möglichst das offene Fragen und vielleicht bekommen wir eines Tages eine Antwort. Zur Sache:

Wir haben den „Mann Gottes“, der seinen Auftrag gegenüber dem König durchhält. Bewundernswert. Das ist irgendwie sympatisch. Ich überlege: Wäre ich dieser Mann gewesen und an dieser Stelle der Geschichte angekommen, ich wäre mit zitternden Beinen nach alldem weitergezogen. Schnell heim. Einfach um wieder zuhause in den vier Wänden zu sein und sich zu erholen.

Ohne jegliche Erklärung für das Warum fährt ihm jäh ein alter „Prophet“ in die Parade. Er verfolgt ihn. Fragt nach seiner Identität. Lädt ihn zum Essen ein.

Zuerest redet der alte Prophet den Mann Gottes als sochen an: „Bist du der Mann Gottes… ?“ Auf die erste Einladung erhält der alte Prophet vom Mann Gottes die Antwort: „Geht nicht“. Hatte er beim König auch so gemacht. Er ist ganz bei Gott und seinem Auftrag. Daraufhin lügt der alte Prophet den Mann Gottes an: „‚Ich bin auch ein Prophet wie du, und ein Engel hat zu mir geredet auf das Wort des Herrn hin…“ Eine kleine aber bemerkenswerte sprachliche Veränderung findet statt. Worüber wurde der Mann Gottes alles belogen? Gilt das auch für die Anrede „Prophet“, denn vorher wurde er ja nur als „Mann Gottes“ bezeichnet? War der Mann Gottes gar kein Prophet? War das ein gewichtiger Unterschied? Worin hätte dieser Unterschied gelegen?

Der Mann Gottes steht vor einem Problem, das er nicht als solches erkennt. Wem wäre das nicht schon passiert? Wir sehen aber, dass sich der Mann Gottes der Lüge öffnet. Er glaubt dem, der ihn als Kollege angeredet hat. War das der Knackpunkt? Aber was für ein „Kollege“ ist das?

Schließlich geht der „Mann Gottes“, der die Lüge geschluckt hat, doch mit zum Essen. Und dann, nachdem diese mir unverständliche Tat geschah, geschieht das, was mich noch tiefer verstört: Dem Mann wird durch den lügenden Propheten das Gericht verkündigt! Der, der gelogen hat, spricht das Urteil von Gott her! Das… Ich weiß nicht… Das ist zuviel für mich.

In der Geschichte ist dann zuerst nicht klar, wie lange der Mann Gottes noch leben wird. Er wird woanders begraben – welches Ausmaß diese Ankündigung hat, ist nicht durchschaubar. Mit diesem Schock muss der Mann Gottes losziehen. Ja, er hat sich nicht an Gottes Wort gehalten. Darüber konnte er jedoch nicht mehr lange nachdenken. Er wird auf dem Weg getötet und sein Leichnam bleibt betont merk-würdig unversehrt.

Und dann folgt eine weitere Überraschung: Der alte Prophet resümiert über den Ungehorsam des Gottesmannes und kümmert sich, fast würde ich schreiben „rührend“, aber es scheint mir irgendwie nicht angebracht, hält die Totenklage und spricht „Ach Bruder“.

Am Ende lesen wir nochmal von einem scharfen Kontrast: Jerobeam beruft Priester und er nimmt jeden und „füllt jedermanns Hände“ – hatte das was mit Gottes Gebot nichts zu essen und zu trinken, also nichts zu nehmen, zu tun?

Christoph Schubert

Impulse vom 22.-27. Juni 20

22. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 8, 22-40

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.1.Kön 8,39

Tröstlich? Aufwühlend? Was schießt dir durch den Kopf, wenn du diese Zeilen hörst?

Tröstlich ist es, wenn es mir innerlich gerade gar nicht so gut geht und keiner es wissen soll – doch Gott weiß um mich. Er will sich kümmern.

Aufwühlend, wenn ich genau weiß, dass da etwas nicht gut war, was ich getan habe, und Gott selbst das kennt. Wie wird er mit mir umgehen, wenn ich so weiterlebe? Wird er mich zur Rechenschaft ziehen, wenn er all das sieht, was manchmal in meinem Herz so abgeht?

Ich lese den Text noch einmal genauer. Er stammt aus einem Gebet von König Salomo bei der allerersten „Eröffnung“ des Tempels in Jerusalem. Dort heißt es dann: „Erhöre im Himmel, wo du thronst, die Bitten aller, die dich in ihrer Not suchen und die Hände flehend zu diesem Tempel hin ausstrecken.“ (V.38) Das klingt tröstend für alle, die sich in ihrer Not an Gott wenden.

Doch dann betet Salomo weiter: „Gib jedem, was er verdient, denn du kennst sein Herz! Vergib ihm und handle so mit ihm, wie es seinen Taten entspricht! Denn du allein kennst alle Menschen durch und durch.“ (V.39)

Das ist aufwühlend, finde ich: Gib jedem, was er verdient… wie es seinen Taten entspricht!

Und dann entdecke ich noch diese zwei Wörter: „Vergib ihm“… Und ich denke: Ja, so ist es doch. Wenn Gott unser Herz kennt, dann können wir wohl kaum vor ihm aufrecht stehen.  Dann hätte Gott wohl oft keinen Grund, unsere Bitte zu erhören. Doch er hat ja einen anderen aufgerichtet am Kreuz für alle, die nicht mehr aufrecht vor ihm stehen können. Und so darf dann auch mein aufgewühltes Herz beten: „Vergib mir“ – wie tröstlich.

Jürgen Braun

 

23.+24. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 8, 41-66

Wir „hören Salomo beim Beten zu“. Der König waltet seines Amtes, indem er betet und dann das Volk segnet. Seine Politik ist Gottesdienst.

Beim Gebet überblickt er die Geschichte Israels nach vorne (aus Ägypten geführt), schaut in die Gegenwart (Fremde, Krieg) und nimmt Eventualitäten der Zukunft (Sünde, Gefangenschaft) in den Blick. Und er hebt Israels Besonderheit hervor: Das Volk ist ausgesondert zum Erbe aus allen Völkern. Auch die Aufgabe Israels wird angesprochen: Alle Völker der Erde sollen Gottes Namen durch Israel erkennen.

Beim Segen dankt Salomo für den Frieden und die Ruhe, die das Volk in seiner langen Geschichte gewonnen hat. Zugleich bittet er um die Bewahrung eines Herzens, das ungeteilt bei Gott bleibt.

Und dann feierten sie. So richtig. Am Ende sind die Menschen guten Mutes über all das Gute, das der Herr getan hatte. Politik und Gottesdienst – wenn das zusammen kommt…

Christoph Schubert

 

25. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 9, 1-9

Gott erscheint zum zweiten Mal. Der HERR redet eindringlich mit Salomo. Und der Heilige Gott wiederholt die Worte, dass der König wandeln solle in seinen Geboten.

Warum lesen wir so oft davon? An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück und ein Blick nach vorne auf das israelitische Königtum. Eigentlich wollte Gott nicht, dass Israel einen König hat. Denn ER allein ist der Herr über dieses Volk, das er sich zum Eigentum erwählt hat. ER hat es aus Ägypten befreit von der Herrschaft des Königs Pharao. Bekanntlich hatte dieser Pharao das Volk unterdrückt und ausgebeutet. Vor allem hatte er es gehindert Gott vor der Welt zu dienen. Die Worte Gottes ergehen deshalb so eindringlich und wiederholt an Salomo, weil jeder König in Israel immer wieder an den Punkt kommt, wo er der Verlockung begegnet, das Volk als das Volk des Königs zu sehen. Oder in anderen Worten: Der König in Israel wird mit der Versuchung konfrontiert das eigene Volk zu behandeln, wie es einst der Pharao in Ägypten tat. Sei es nun Saul, David, Salomo oder dann Jerobeam und wie sie alle hießen. Aber dieses Volk ist Gottes Volk. Und nur insofern der König Gott dient und dem Volk so dient, dass es Gott zu dienen vermag, ist er in Gottes Augen zurecht König. Jeder König in Israel stand vor dieser Frage. Bis auf David sind alle der Verlockung erlegen und haben sich an irgendeinem Punkt ihres Lebens dazu entschieden, ein in menschlichen Augen glänzendes, weltliches Königtum zu errichten wie es die Nachbarstaaten hatten. So kann es aber in Israel nicht sein und darum endete das historische Königtum in Israel.

Öffnen uns diese Überlegungen Einsichten für heute? Mit Vorsicht rege ich dazu an auf das Verhältnis von Gemeinde und Gemeindeleitung, Kirche und Kirchenleitung zu schauen. Dann gingen die Gedanken ungefähr in folgende Richtung: Wo sieht die Gemeindeleitung die Gemeinde als Gemeinde Gottes? Und wo sieht die Gemeindeleitung die Gemeinde als etwas, das ihr „gehört“? Und wie ist es in der Kirche insgesamt?

Christoph Schubert

 

26. Juni 20 - Impuls zu 1.Kön 10,1-13

Großer Bahnhof im Hause Salomo. Zu Besuch: die Königin von Saba mit ihrem ganzen Gefolge. Viele der Bilder, die uns geschildert werden, kommen uns – in ihrer heutigen modernen Fassung – bekannt vor:
Man begegnet sich aufmerksam und überreicht einander Geschenke. Wohlwollen liegt in der Luft. Und auch etwas von der Hoffnung, dass beide Völker von dieser hohen Form der Diplomatie profitieren werden.

Nichts zu lesen ist davon, dass es Demonstrationen gegeben hätte. Keine Reifen werden entzündet, niemand wird medial bloßgestellt, es gibt keine Versuche der Vorteilsnahme. Woran mag das liegen?

Die Königin von Saba spricht einen der Gründe mit eigenen Worten aus: Gelobt sei der Herr, dein Gott, der an dir Wohlgefallen hat, … Er hat dich zum König gesetzt, dass du Recht und Gerechtigkeit übst.

Menschen, die sich an Gottes Wort und Willen orientieren, werden erkennbar sein. Und durch sie wird der Segen den Gott erkennbar sein.

Heute leitet uns mitunter die Angst vor dem Fremden. Grenzen werden gezogen, Unterschiede profiliert und friedensichernde Allianzen aufgelöst. So passiert die Vereinzelung von Menschen und Staaten. Ein gefährliches Spiel der gegenseitigen Entfremdung.

Vielleicht wäre etwas ganz anderes aber sinnvoller: Das wir nämlich schlicht und einfach unseren Glauben leben, so, wie wir es vermögen. Dann könnte es passieren, dass die, die uns jetzt noch Fremde sind, die vielleicht sogar einen anderen Glauben haben, bekennen müssen: Gelobet sei der Herr, DEIN Gott. Denn er hat Wohlgefallen an dir.

Dirk Schmidt

 

27.06.20 - Impuls zu 1. Könige 10,14-29

Fernsehsendungen über die Royals erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Hochzeit von William und Kate hat Milliarden Fernsehzuschauer und Hunderttausend Schaulustige nach London gebracht. Bei König Salomo war das nicht anders. Auch er war beim Volk beliebt. Ein musischer Mensch, der schöne Dinge schätze. Die Schilderungen lassen Bilder im Kopf entstehen von unvorstellbar wertvollen Gegenständen, mit denen er sich umgab. Und das in einem kleinen, bis dahin eher unbedeutenden Volk. Gott hatte es sich auserwählt und Salomo zum König gemacht, der mit seinem Reichtum und seiner Weisheit andere Königreiche überragte. Ein Vorzeige-Herrscher! Israel war zum Anziehungspunkt für Machthaber aus allen Himmelsrichtungen geworden. Sie kamen, um Salomos Weisheit zu hören, die Gott ihm verliehen hatte. Das waren kluge Aussagen über das tägliche Leben, die Beziehungen zwischen Menschen und das Verhältnis zu Gott. So hatte Gott sich ein Werkzeug geschaffen, um inter-national Aufmerksamkeit zu erregen mit einem Mann, der mit den nötigen Gaben ausgestattet war und dem die Herzen

 

zufielen. Diese Segensspuren sind bis heute spürbar. Denn in den Ländern, aus denen er Besuch bekam, gibt es bis heute Menschen, die an den Gott Israels glauben.

Es wäre für Gott doch eine Kleinigkeit, auch heute einen Menschen mit der Ausstrahlung eines Salomo zu berufen!

Ganz bestimmt. Aber alles hat seine Zeit. Eines Tages werden wieder Menschen aus allen Himmelsrichtungen nach Israel ziehen, um von Gott zu hören. Diese Verheißung ist Teil des biblischen Zeugnisses [vgl. Jes 2,2-5]. Das aber muss mich nicht davon abhalten, mich schon heute von Gott als Werkzeug gebrauchen zu lassen. Und auch, wenn es manch-mal so aussieht, als ob die Reichen und Schönen mehr erreichen könnten, letztlich geht es doch um die Aufgaben, die Gott mir und meinem Leben zugedacht hat. Denn mit den nötigen Gaben für diese Aufgaben hat er mich ausgestattet.

O Herr, mach mich zu Deinem Werkzeug. Stelle mich an die Orte und zu den Menschen, wo Du mich, mit dem, was Du mir geschenkt und anvertraut hast, gebrauchen kannst. Amen

Carolin Kirchner

 

Impulse vom 15.-20. Juni 20

15. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 3,1-15

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, einen Herzenswunsch, fiele Ihnen einer ein? Dem jungen König Salomo fiel einer ein: ein gehorsames Herz. Er ist noch jung, trägt aber bereits riesige Verantwortung und steht in den großen Fußstapfen seines Vaters David. Salomo erkennt, dass jetzt weder Gesundheit noch langes Leben noch Reichtum Sinn machen, sondern: ob es in seinem Leben so etwas wie Orientierung gibt. „Sag mir, Gott, was richtig ist!“, höre ich ihn sagen. „Sag mir, wo’s lang geht! Ich will keine Fehler machen.“ Ein kind-licher Wunsch. Aber ich verstehe Salomo. Das Leben wäre einfacher, wenn Gottes Wille eindeutig wäre. Doch Gott reagiert anders. Er schenkt ihm ein weises und verständiges Herz und sagt ihm damit: „Trau dich! Ich verstehe zwar, dass du Angst hast im Hinblick auf das, was dir an Aufgaben und Verantwortung bevorsteht; aber ich gebe dir Weisheit und Verstand. Du kannst in Verantwortung vor mir und den Menschen Entscheidungen treffen.“ Salomo gewann aus der Zusage Gottes Mut, die Verantwortung zu übernehmen. Und Ihr Wunsch? Wie reagiert Gott auf ihn? Finden Sie es heraus!

Carolin Kirchner


16. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 3,16-28

Salomo hat von Gott Weisheit erhalten – und dann das. Zwei Prostituierte gelangen bis vor seinen Thron. Wie es aussieht, hatte in allen Instanzen zuvor niemand den Mut, hier zu einem Urteil zu finden. Sie wurden wohl einfach weiter gereicht. Keiner wollte sich die Finger verbrennen. Jetzt liegt die Sache vor dem König. Die Sache? Nein: Hier sind zwei Frauen, ein lebendes und ein totes Kind. Ein Drama, in das niemand hineingezogen werden will. Wie oft solche Streifälle tatsächlich von einem Gericht gelöst wurden? Ich weiß es nicht. Salomo jedenfalls nimmt sich in dieser Geschichte dieser beiden Frauen und des Kindes an. Listig stellt er eine Falle auf: Sein Vorschlag ist unmenschlich. Und die, die in seinen unmenschlichen Vorschlag einstimmt, entlarvt er gegenüber der, die diesen unmenschlichen Vorschlag rundheraus ablehnt. Damit enthüllt sich, was für ein Herz der König von Gott erbat, und wie ein solches Herz denkt und lebt: ein menschliches Herz, das der Verantwortung vor Gott und Menschen gerecht wird.

Christoph Schubert


17. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 5,1-14

Alles gedeiht. Politisch wächst der Einfluss von Salomo und sein Königreich dehnt sich aus in bisher nie gekannte Größe. Der hauswirtschaftliche Bedarf des Hofes ist enorm und vor allem ist es möglich, den Hof mit diesem Bedarf zu versor­gen. Auch die Ställe sind prächtig ausgestattet. Prosperität überall. Dazu sprießt Frieden über dem Land. Und wieder wird die Klugheit des Königs herausgestrichen. Durch den gottgegeben „Geist, so weit wie Sand am Ufer des Meeres liegt“ wächst Land und wachsen Leute. Hätten wir doch viele solche Menschen in der Politik! Welche Aspekte von Weisheit lassen sich hier finden? Da ist Frieden und Ausgleich zwi­schen den Nachbarstaaten, da ist heilvolle Ordnung im Inne­ren des Staates und unter den Menschen, da findet sich eine Neugier für Sprache und Poesie und ein gründliches Interesse an Pflanzen und Tieren. Vielleicht passt unser etwas einge­färbtes Wort „Harmonie“ dafür. Weisheit wäre dann ein ste­tes Streben nach Ausgleich, Balance und ein rechtes Zuord­nen der Menschen untereinander und von Mensch und Umwelt. Voraussetzung all dessen ist der weite Geist: Er will fassen, öffnet sich, scheut keine Neugier.

Konkreter: Gerade das Fremde lockt den offenen Geist, gerade die eigenen Vor-urteile (die wir alle uns im Lauf des Lebens gebildet haben) werden mit großer Lust als eben vorläufige Urteilsbildungen anerkannt und mit scharfem Verstand überprüft und gegebenenfalls verändert. Weisheit ist dann genauer gesprochen eine Bewegung von Fall zu Fall und von Mensch zu Mensch. Von George Bernhard Shaw ist das Zitat überliefert: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“

Christoph Schubert


18. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 5,15-32

Ein Vorhaben, das mehr als eine Generation umfasst. Das ist in meinen Augen etwas Erhabenes. Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, als wir in einer Gemeinde einen neuen Baum vor der Kirche pflanzen wollten. Der alte war morsch und brüchig geworden. Also was für einen Baum pflanzen wir? Er wird jedenfalls deutlich kleiner als der, den wir gefällt hatten, und seine volle Größe und Schönheit werden erst andere Generationen sehen und genießen. Seither betrachte ich die alten und ehrwürdigen Bäume anders.

Salomo nimmt ein noch größeres Projekt in Angriff. Sein Vater hatte bereits daran gedacht und für die künftigen Generationen sollte es Bestand haben: Dem Namen des HERRN, des Gottes Davids und Salomos und Israels, soll ein Tempel gebaut werden. Mit diesem Gebäude wäre sichtbar, dass der lebendige Gott mitten unter seinem Volk wohnt. Und wer wäre dafür geeigneter als dieser weise König? Mit all seinen Fähigkeiten macht er sich gewissenhaft an die Arbeit. Er ist sichtlich bemüht, die jeweils besten Fachhandwerker zu engagieren, denn niemand versteht Holz zu hauen wie die Sidonier. Freilich konnte er nicht das Doppeldeutige hören, das in den überlieferten Gottesworten seines Vaters David mitschwang: Dein Sohn, den ich an deiner statt auf deinen Thron setzen werde, der soll meinem Namen das Haus bauen. Christen hören in diesem Satz noch anderes und mehr (vgl. Mk 14,58; Joh 2,19). Vielleicht war auch Salomo irgendetwas noch nicht ganz plausibel, wie er später bei der Einweihung des Tempels andeutet (1. Könige 8,12-13). Denn wo mag der Herr des Himmels und der Erde, der alles geschaffen hat, dessen Eigentum alles ist, wohnen? Und wer von seinen Geschöpfen könnte ihm ein Haus bauen?

Da lässt sich noch einmal ganz neu darüber nachdenken, wo Gott wohnt.

Christoph Schubert


10.06.20 - Impuls zu 1. Könige 6,1-14

Es ist geschafft! Endlich ist dieses Mega-Projekt beendet. So viele Details mussten bedacht und beachtet werden. Häusle-Bauer haben wohl eine Ahnung, was das bedeutet. Mit dem Bauprojekt ist aber auch noch etwas Größeres geschafft: Nach vierhundertachtzig Jahren haben sie endlich ihren Platz gefunden. So lange ist es her, dass das Volk aus Ägypten ausgezogen ist. Sie waren zwar schon vorher im Land angekommen. Aber erst jetzt, wo auch Gott einen sichtbaren Platz in ihrer Mitte hat, sind sie auch innerlich angekommen. Jetzt haben sie einen Ort, wo sie hingehen können, um erinnert zu werden an Gottes Größe und Schönheit und an alles, was Gott ihnen geschenkt hat. Wir Menschen brauchen so äußerliche Orte als Zeichen der Erinnerung. Bei aller Freude an Gebäuden und kostbaren Erinnerungsstücken passiert es aber manchmal, dass wir sie mit dem Eigentlichen verwechseln. Deshalb erinnert Gott Salomo: Letztendlich kommt es nicht auf Äußerliches an, sondern auf das Herz, das sich an Gottes Wort ausrichtet. Das ist die Grundlage dafür, dass Gott bei uns wohnt, und nicht das großartige Haus.

Corinna Schubert


20. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 8,1-14

Gott zieht ein in sein Haus. Er hat einen ganz besonderen Raum: das Aller-aller-aller-heiligste. Eigentlich liegen da nur zwei Steintafeln drin. Aber dann kommt Gott mit aller Macht. Und die Menschen spüren ganz intensiv: Gott ist da. Das war so intensiv, dass sie Abstand halten mussten. Gottes Herrlichkeit, Größe, Schönheit zu spüren, war umwerfend und hätte sie im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen. „Wehe mir, ich vergehe!“, sagt einmal Jesaja als er Gottes Gegenwart in dieser Intensität spürt. Er hat das Gefühl sterben zu müssen. Damit Menschen in Gottes Gegenwart nicht vergehen, trennt im Tempel ein Vorhang diesen Raum, in dem Gott wohnt, von den anderen Räumen.

Als Jesus stirbt, zerreißt genau dieser Vorhang im Tempel. Ein mächtiger Moment: Menschen können sich jetzt Gott nähern, ohne zu vergehen. Gottes Herrlichkeit, Größe und Schönheit ist immer noch umwerfend. Aber sie müssen nicht sterben, weil sie für Menschen nicht auszuhalten ist. Das ist mit dem Sterben Jesu möglich geworden.

Corinna Schubert

Impulse vom 8.-13. Juni 20

8. Juni 20 - Impuls zu Titus 2, 1-15

Wie wirkt eine christliche Gemeinde nach außen? Wie sollte sie nach außen wirken? Paulus formuliert einige klare An­sprüche für die Gemeinde von Titus. Ob uns das heute noch ge­läufig ist, dass wir als einzelne Christinnen und Christen immer die ganze Gemeinde mit darstellen, mit reprä­sentieren, mit das Bild von Gemeinde bei unseren Nachbarn, unseren Freunden und in unserem Ort zeichnen? Paulus beharrt sehr deutlich darauf, dass die heilsame Gnade uns führt. Besonders Wert legt er darauf, dass wir die spontanen Impulse zuerst einer gedanklichen Prüfung unterziehen. Besonnen sein. Dann legt er Wert darauf, dass wir gerecht leben. Er denkt dabei an Gottes Gerechtigkeit, die meinem Mitmenschen dazu verhilft, auch gerecht zu leben. Es geht ihm nicht so sehr darum, dass wir auf alle Schalen der Waage das gleiche Gewicht legen. Und dann legt er noch Wert auf die Frömmigkeit. Ich liebe dieses alte Wort. Es heißt: Auf gute Art (Gott) verehren. Also soll in unserem Leben und vor allen Menschen deutlich werden: Wir ehren und heiligen Gott. Hier erinnert uns Paulus daran, aus der Gnade zu leben und sie aller Welt zu zeigen. Auch dem Nachbarn.

Christoph Schubert


9. Juni 20 - Impuls zu Titus 3, 1-15

Wie leben wir als Christinnen und Christen in einem Staat? Diese Frage hat die Gemeinde Jesu immer wieder herausge­fordert. Wie in einem Staat leben, wenn man verfolgt wird, wie im römischen Reich damals oder in China und Nordkorea heute? Wie in einem Staat leben, der menschenverachtende, unbeschreiblich barbarische Tyrannei darstellt wie in unserer deutschen Vergangenheit? Alle Sanftmut beweisen… Solche Aufforderungen von Paulus haben Christinnen und Christen in schlaflose Nächte getrieben. Von zwei Antworten aus der Kirchengeschichte berichte ich: Mit Martin Luther waren viele Gemeindeglieder bereit zu leiden. Sie haben nicht geschwiegen und sie haben nicht aktiv gegen den menschenverachtenden Staat und seine Vertreter gekämpft. Sie nahmen Jesus Christus zum Vorbild und trugen Repression und Leid. Ich habe höchsten Respekt davor. Mit Dietrich Bonhoeffer haben andere die Option gewählt „dem Rad in die Speichen zu fallen“. Ein drastisches Bild. Aktiver Widerstand mit dem klaren Blick dafür das eigene Leben hinzugeben. Auch davor habe ich höchsten Respekt.

Christoph Schubert

 

10. Juni 20 - Impuls zu Philemon 1, 1-25

Ein einzigartiges Dokument! Paulus schreibt wegen eines Skla­ven an dessen Herren. Der Herr, Philemon, möge seinen Sklaven, Onesimus, in Freiheit zu Paulus zurückschicken oder ihn bei sich behalten: Aber ohne deinen Willen wollte ich nichts tun, damit das Gute dir nicht abgenötigt wäre, sondern frei­willig geschehe. Was für einen Raum Paulus eröffnet! De­mütig und in der großen Freiheit von uns Christenmenschen schreibt und bittet und fragt er. Ach, wie gut diese Freiheit tut! Und dann folgt ein wohl historisch folgen­schwerer Satz, der erste abolitionistische Moment, könnte man sagen: Denn vielleicht war er darum eine Zeit lang von dir getrennt, damit du ihn auf ewig wiederhast, nicht mehr als einen Sklaven, son­dern als einen, der mehr ist als ein Sklave: ein lieber Bruder, be­sonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im leib­lichen Leben wie auch im Herrn. Wir lesen davon, dass zuerst der Mensch vor Gott gehört und ins Auge gefasst wird. Und dann folgt das, was hier auf Erden gerade gilt. Hier zeigt sich, ich stelle das einmal so in den Raum, die Würde des Menschen, die sich in unserem Grundgesetz wiederfindet.

Christoph Schubert


11. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 1, 1-27

Intrige und Gegenintrige! Wie bei guten Fernsehserien oder Filmen. Am Anfang des Buches werden wir hineingenommen in die letzten Tage des alt gewordenen Königs. Freilich, er ist ein großer König! Und wie in den besten Geschichten, so ist es auch hier: Um den Thron beginnt ein Wettlauf, erste Anwärter trauen sich aus der Deckung, heimlich wird Rat gehalten, mit allem nüchternen politischen Kalkül und aller Kälte in der Durchführung. Die Anwärter scheren sich nicht mehr um die noch geltende Ordnung. Sie wollene eine neue Ordnung und sich selbst an der Spitze dieser Ordnung. Alte Loyalitäten lösen sich plötzlich, Fratzen werden sichtbar. Wird der alte König damit nochmal fertig? Oder ist das die eine Intrige zuviel, die ihn stürzen wird? Der Rat des Königs, er ist offensichtlich gespalten. Jeder überschlägt für sich Kosten und Nutzen und wird zeigen, für wofür er oder sie steht. Eines ist jetzt schon sicher: Es wird hässlich enden. Für die Einen oder die Anderen. Denn die Intriganten schaffen eine Situation, in der es Verlierer geben muss. Und wo ist eigentlich Gott in diesem Schlamassel?

Christoph Schubert

12. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 1, 28-53

Noch einmal zeigt der alte König, dass in ihm ein Herrscher steckt. Auch er ist mit allen Wassern gewaschen. Noch ist er der Herr, noch geschieht, was er will. Und er sorgt dafür, dass das auch so bleibt. Ein letztes Mal. Und er deutet als der (die­ale) König Israels hin auf Gott. Er sagt: „Ich habe Dir, Batseba, geschworen bei dem HERRN“. Was vor Gott zugesagt wurde, soll Bestand haben. Eine schnelle und brillante Entscheidung, ein Coup gegenüber den Verschwörern wendet die ganze Si­tuation. David überbietet mit seinem Plan und seiner Aktion die heimliche Tat der Abtrünnigen. Hochoffiziell und vor allem Volk, mit Pauken und Trompten, mit priesterlicher und pro­phetischer Zustimmg, mit Militär und öffentlicher Insze­nierung wird Salomo eingesetzt. David kommt seinen Geg­nern zuvor – ein letztes Mal. Zugleich ist es seine Abdankung.

An dieser Stelle flechte eine Reflexion ein: Eigentlich sollte Israel keinen König haben wie seine Nachbarvölker. Denn Gott selbst ist Israels König. Aber das Volk begehrte danach und Gott stimmte zu. Ich denke: Dieses Amt ist für Menschen zu verlockend in seiner Fülle, zu leicht korrumpiert es.

Christoph Schubert

13. Juni 20 - Impuls zu 1. Könige 2, 1-12

Das Vermächtnis des Königs. Schön und beängstigend. Da­vid fasst zusammen, was das Wichtigste ist: bewahre den Dienst des HERRN, deines Gottes. Das steht für den sterben­den König an erster Stelle. Und dann folgt, weswegen David keinen Tempel für Gott bauen durfte: Alte Rechnungen wer­den noch aufgelistet und zur Begleichung hingehalten. Im Guten wie im Schlechten. Menschlich ist es auf eine Art ver­ständlich. Und ich lese es zugleich mit Erschütterung. Für David scheint das „Wandeln in Gottes Wegen“ nicht in Wi­derspruch zu stehen zu seinem Kassensturz. Ich bin nicht er­fahren in großer Politik und daher vorsichtig. Als Frage: Ist das politische Handeln zu unterscheiden vom individuellen und privaten? Was meinen Sie? Für mich selbst denke ich: Ist gar nicht so einfach. Sicherlich bin ich nicht davon frei, mit Menschen so umzugehen, wie sie es mit mir tun. Ich tue mich leichter mit denen, die gut zu mir sind. Und ich tue mich schwerer mit den Anderen. Jesus sprach einerseits: Liebet eure Feinde! Und das lebte er auch. Andererseits wusste er auch davon zu reden, dass es einen Tag geben wird, an dem

 

wir alle Rechenschaft geben müssen über das, was wir getan und gelassen haben. Bei Jesus liegt aber zwischen heute und dem kommenden Tag des Gerichts die Zeit der Gnade. Er ruft uns dazu auf, unsere Rechnungen Gott zu überlassen.

Können Menschen aus der Politik das in ihrem Amt auch so halten? Ich denke ja. Denn politische Gebilde vergehen. Sie sind nicht auf die Ewigkeit angelegt. Wir Menschen hingegen schon. Hier greift meines Erachtens der Gegensatz von Reich Gottes – politische Gebilde. Letztlich geht es an dieser Stelle wieder um den Herrschaftanspruch: Wer darf legitim über Menschen herrschen? Und da ist die Antwort von der Bibel her eindeutig: Gott allein.

„So viel für heute dazu. Ein andermal mehr“, pflegte Luther zu sagen, wenn er den Eindruck hatte, dass hier noch vieles zu bedenken und zu besprechen sei. Das geht mir mit diesem Thema auch so.

Christoph Schubert

Impulse vom 2.-6. Juni 2020

2. Juni 20 - Impuls zu 2. Timotheus 3, 1-9

Wie geht es dir, wenn du diese ersten Verse liest? Hast du nicht auch sofort Menschen vor Augen, auf die diese Beschreibungen zutreffen? Oder trifft es nicht sogar auf einen breiten Teil der Gesellschaft zu? Leben wir also in den „letzten Tagen“, wie Paulus in Vers 1 sagt? Interessant, dass Paulus zu Timotheus dann sagt: „Solche Menschen meide!“ Das bedeutet ja, dass Timotheus mit solchen Menschen konfrontiert war, dass es sie nicht erst heute gibt. Vermutlich ging Paulus sogar davon aus, dass er und Timotheus in diesen „letzten Tagen“ lebten. Was also bedeutet der Text heute für uns, fast 2000 Jahre später? Es gibt wohl zu allen Zeiten Leute, auf die solche Beschreibungen zutreffen. Darum weißt der Text auch mich vielmehr darauf hin, darauf zu achten, mit wem ich mich umgebe und welchen Einflüssen ich mich aussetze. Oder anders gesagt. Welche Wege gibt es für mich, gerade auch jetzt, die Gemeinschaft mit anderen Christen zu suchen und mich mit Ihnen zu umgeben? Vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang? Oder ein Besuch an der Haustür? Sich gegenseitig Worte der Ermutigung schreiben… Wen rufst du jetzt gleich an?

Jürgen Braun

 

3. Juni 20 - Impuls zu 2. Timotheus 3, 10-17

Was erwarten wir von Menschen, die die Botschaft von der Liebe Gottes verkündigen? Paulus hat sich mit dieser Frage beschäftigt und Erwartungen formuliert. Was bedeuten die Aussagen über das Leben des Timotheus und die Erwartungen, die Paulus an ihn stellt, für mich – für uns –, die wir doch alle aufgerufen sind, die Liebe Gottes in die Welt zu tragen? Wird hier ein Ideal vorgestellt, das so unerreichbar ist, dass ich gleich von vornherein aufgeben muss? Denn wenn ich mein Leben anschaue, dann kann ich im Vergleich mit dem Text fast nur Defizite auflisten. Gut, christlich erzogen wurde ich. Aber längst nicht alle von uns wachsen in einem christlichen Haushalt auf (vgl. V.15). Verfolgungen (vgl. V.11f) erleiden wir in unserem Teil der Erde im Moment auch nicht – Gott sei Dank! Was fangen wir dann aber mit diesem Text an?

Ich glaube, dass es nicht nur den scheinbar geraden Weg aus einer christlichen Erziehung in die Nachfolge Jesu gibt. Der Heilige Geist verfügt über eine große Vielzahl von Wegen, um uns zu erreichen und zu motivieren. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass uns zur richtigen Zeit der richtige Gesprächs-partner als Wegweiser erscheint oder das wirklich hilfreiche Buch in die Hand gegeben wird. Ich brauche also nicht neidisch zu sein. Ich brauche mich auch nicht geringwertig zu fühlen. Gott hat für mich – für einen jeden von uns – einen eigenen Weg bereitet. Dazu gehören Höhen und Tiefen, gerade und ebene Wegstrecken, aber auch mal Umwege, gescheiterte Träume, neue Visionen und manchmal auch Verfolgungssituationen.

Schwestern und Brüder, die Leiden und Verfolgungen in anderen Ländern standhalten, sind beispielhafte Zeugen für die Kraft Gottes, die gerade in Schwachen mächtig ist. Mein Teil kann sein, dass ich für sie bete, dass ich ihre und meine eigenen Wege Gott anbefehle. Paul Gerhardt dichtete: „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ (EG 361,1).

Carolin Kirchner

 

4. Juni 20 - Impuls zu 2. Timotheus 4, 1 – 8

Zwischenprüfung im Fach Neues Testament an der Univer­sität Tübingen. Sommersemester 2006. Mein Professor sitzt mir gegenüber mit leicht angriffslustigem Lächeln. Sein Assi­stent sitzt neben ihm und schreibt mit und lächelt in einer Weise, die alles und nichts heißen kann. Ich schwitze. Ich übersetze. Ich erkläre. Ich beantworte Fragen. Einige. Dann folgt eine, die mir bis heute in den Ohren klingt: „Was tut Paulus, wenn etwas in einer Gemeinde schiefläuft?“ Ich merke, dass diese Frage Gewicht hat und mit über die Note entschei­det. Ich überlege. Trommelnde Finger des Profes­sors. Was hat Paulus gemacht in seinen Briefen? Um deut­liche Worte war er nie verlegen. Und immer, egal wie es nun stand, ver­kündigte er das Evangelium. Also sage ich das. Der Professor freut sich und schaut mich an: „Merken Sie sich das für Ihren Dienst!“ Das war für mich eine der größten und bes­ten Lehrstunden meines Lebens. Hier lesen wir genau davon: Sei nicht verlegen um klare Worte und predige das Wort. Sei nüchtern, geduldig, bereit etwas zu ertragen. Kämpfe mit dem Evangelium, der frohen Botschaft!, den guten Kampf.

Christoph Schubert

 

5. Juni 20 - Impuls zu 2. Timotheus 4, 9-22

Timotheus hat Mitarbeiter. Wir lesen viele Namen. Erfreulich, es sind auch Frauen dabei. Da gibt es solche und solche. Gesunde und Kranke. Treue und welche, die die Welt liebgewonnen haben. Sie sind erst einmal weg. Es gibt sogar Böse, die sich widersetzen. Und Timotheus macht die bittere Erfahrung, dass ihn alle allein gelassen haben. Fast alle, der Herr aber stand ihm bei. Was für eine Erfahrung! Ich bin nicht allein. Einer hält zu mir, gerade wenn mich alle verlassen. Das gibt mir Stärke. Und man liest zwischen den Zeilen die neue Kraft, die ihn beflügelt. Er fühlt sich erlöst und kann an alle denken, neue Aufgaben verteilen und frohen Mutes in die Zukunft blicken. Tu dies und das, bring den Mantel und beeile dich vor dem Winter zu kommen. Jetzt ist noch Zeit das Wort weiterzusagen, und einmal wird der Herr mich retten in sein himmlisches Reich. So lässt es sich leben in der Krise. Er weiß, der Herr ist bei ihm mit seinem Geiste und so grüßt er uns noch heute: Die Gnade sei mit euch! 

Brigitte Turnacker

 

6. Juni 20 - Impuls zu Titus 1, 1-16

Paulus schreibt einen Brief an seinen jungen Mitarbeiter Titus, der noch die Aufbauarbeiten in der neuen Gemeinde zum Abschluss bringen soll. Der Tonfall, den Paulus dabei an den Tag legt, lässt mich zusammenzucken. Ich sehe ihn förmlich vor mir, wie er wütend die Worte auf das Papier bringt. Was ist da passiert? Paulus hatte den Menschen eine gute Nachricht gebracht: Eine Nachricht, die befreit, die Freude schenkt, die stärkt, die Leben schenkt. Als Paulus sich aber verabschiedet hat, haben schnell andere seinen Platz eingenommen: „Schwätzer“ und „Betrüger“, die die junge Gemeinde verwirren. Sie haben neue Regeln aufgestellt, die gute Nachricht verwässert und Menschen verunsichert. Von Freiheit, Freude und Klarheit war nichts mehr zu spüren. Paulus wirft ihnen vor, dass sie nur in ihrem Interesse handeln: Es geht ihnen um ihre Bereicherung, um ihren Machterhalt, ihren Ruhm. Wie es dabei um die Herzen der Menschen steht, ist ihnen egal. Deshalb wird Paulus so heftig: Kehrt zurück zur Wahrheit und Freiheit in Christus! Sonst wird alles andere schief.

Corinna Schubert

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