Julius von Jan

Gedenktafel an der St. Martinskirche

Auszeichnung posthum für Julius von Jan

NS-Widerstand                 Bericht aus dem Teckboten vom 02.08.2018
Der ehemalige Oberlenninger Pfarrer erhält den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ aus Israel.

 

Der evangelische Pfarrer Julius von Jan (1897-1964) erhält posthum den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“. Die Auszeichnung, die von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verliehen wird, würdigt von Jans Engagement gegen die Verfolgung von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einer Gedenkfeier soll des NS-Widerstandskämpfers, der zur Bekennenden Kirche gehörte, gedacht werden, heißt es in einem Brief der Gedenkstätte.

Bekannt wurde Julius von Jan durch seine Bußtagspredigt vom 16. November 1938, die er in der Oberlenninger St. Martinskirche hielt. Darin kritisierte er die Internierung von Menschen, die sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzten. „Männer, die unserem deutschen Volk treu gedient haben, wurden ins KZ geworfen, bloß weil sie einer anderen Rasse angehörten“, sagte er damals. Von Jan wurde inhaftiert und musste nach Ortenburg umziehen. Später wurde er zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er gegen den „Kanzelparagraphen“ und das „Heimtückegesetz“ verstoßen habe. Nach dem Krieg arbeitete der vom Pietismus geprägte Theologe wieder als Pfarrer, den Ruhestand verbrachte er in Korntal. Mit der Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ werden seit 1963 Nichtjuden geehrt, die ihr Leben riskierten, um Juden während des Holocaust zu retten.

Außergewöhnliche Würdigung

Von einer „außergewöhnlichen Auszeichnung“ spricht Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Dirk Schmidt, evangelischer Pfarrer in Oberlenningen, untermauert Schlechts Aussage mit Zahlen: „Weltweit haben erst 1 000 Personen diesen Ehrentitel bekommen.“ Im Gespräch sei, die Gedenkveranstaltung im November abzuhalten. Der Oberkirchenrat hat deshalb mit Julius von Jans Sohn Kontakt aufgenommen. Schmidt begrüßt es, dass Kommune und die Kirche zusammenrücken, um ein Zeichen für die Religionsfreiheit und die Menschenwürde zu setzen. pm/ank

Julius von Jan Lebenslauf

Julius von Jan
ist am 17.4.1897 geboren und am 21.9.1964 gestorben.
Er war 1923 Vikar in Weilimdorf, in der Hitlerzeit Pfarrer in Oberlenningen.
In seinem Lebenslauf schreibt er darüber:
 „Nach der Kristallnacht 1938 rief ich am Bußtag, 16.11.1938, in meiner Predigt Volk und Kirche zur Buße für die Verbrechen, die von uns am jüdischen Volk begangen worden waren. Damit hatte ich die wundeste Stelle des Nationalsozialismus angetastet und stand nun obendran auf der schwarzen Liste. Am 25. November 1938, von SA aus Nürtingen und Umgebung überfallen und misshandelt, wurde ich in Untersuchungshaft gebracht. November 1938 bis Februar 1939 hatte ich im Gefängnis Kirchheim u. T. freundliche Richter und Wächter. Als dort die Gemeinde Oberlenningen und die Christen des Kirchheimer Dek. Bezirks mir allzu viel Sympathie bekundeten, wurde ich ins Stuttgarter Gefängnis überführt, Ende März 1939 vom Gericht aus der Untersuchungshaft entlassen, aber von der Gestapo weiter gefangen gehalten und Mitte April 1939 aus Württemberg und Hohenzollern ausgewiesen. Mit meiner kranken Frau und meinem 4jährigen Sohn fand ich Zuflucht in Bayern. Als ich dort zu predigen begann und meinen Wohnsitz nach Ortenburg verlegte, wurde ich zu der längst gegen mich geplanten Sondergerichtsverhandlung nach Stuttgart vorgeladen und zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt wegen Vergehens gegen die den „Kanzelparagraphen“ und gegen das „Heimtückegesetz“. Nach fünfmonatiger Haft wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.“
Julius von Jan war nach dem Krieg Pfarrer in Stuttgart-Zuffenhausen und verbrachte seinen Lebensabend im Korntal. Sein vorbildhaftes, biblisch orientiertes Bekenntnis in seiner Zeit sollten wir nicht vergessen – eine Herausforderung auch für uns.

 

 

Weitere Informationen über Julius von Jan

Hier finden sie die Broschüre über Julius von Jan

 

 

 

Online-Ausstellung "Widerstand"

Online-Ausstellung "Widerstand!? Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus“

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Auswahl: Zeitraum 1935-1939 - Bereich: Christlicher Widerstand, unten mit der Bildlaufleiste nach rechts bis das Bild vom Relief Julius von Jan sichtbar; "Predigten gegen das Novemberpogrom" anklicken; hier können sie die vorgelesene Fassung der Predigt anhören und weitere Informationen erhalten

 

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider schildert auf der Ausstellungspräsentation den Entwicklungsweg der Online-Ausstellung „Widerstand!? Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus"

 

Auf der EKD-Synode in Magdeburg präsentiert die Leiterin der Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte der LMU München, Claudia Lepp, die neue Online-Ausstellung „Widerstand!?

 

 

Der 9. November 1938

Artikel in der Nürtinger Zeitung November 2008

von Steffen Seischab

Der 9. November 1938 
70. Jahrestag der Bustagspredigt des Pfarrers Julius von Jan in Oberlenningen